Das Teff Agreement

Sonja Nechansky

Biopiraterie am Beispiel des Teff Agreements: Äthiopiens Kontrollverlust der genetischen Teff Ressourcen

Alle lebenden Organismen tragen genetisches Material, das für den Menschen nützlich sein kann. Staaten haben souveräne Rechte über ihre natürlichen Ressourcen. Wenn internationale Unternehmen mit genetischem Material arbeiten wollen, sind Vereinbarungen notwendig. Im Jahr 2005 wurde aus diesem Grund das „Agreement on Access to, and Benefit Sharing from, Teff Genetic Resources“ zwischen dem „Ethiopian Institute of Biodiversity Conservation (IBC)“, der „Ethiopian Agricultural Research Organisation (EARO)“ und dem niederländischen Unternehmen „Health and Performance Food International (HPFI)“ unterzeichnet. Als Biopiraterie werden solche Fälle bezeichnet, wo derartige Vereinbarungen gebrochen werden und biologische Substanzen durch ein Patent nicht mehr frei verfügbar sind.

Bei Teff (Eragrostis tef) handelt es sich um ein Getreide das in Äthiopien Hauptnahrungsmittel ist. Dadurch, dass diese Getreide einerseits einen hohen Nährwert hat und andererseits Gluten-frei ist, stieg das internationale Interesse an diesem Nahrungsmittel in den letzten zwanzig Jahren enorm. Die niederländische Firma (HPFI) vermutete ein großes Marketingpotenzial in Europa und den USA. Gemäß der Vereinbarung mit Äthiopien konnte und durfte HPFI mit dem erlangten genetischen Material Forschung betreiben und neue Produkte produzieren. Im Gegenzug waren eine Teilung der Gewinne mit Äthiopien und ein Austausch von Forschungsergebnissen vereinbart. Die äthiopischen Unternehmen hegten große Erwartungen in Bezug auf die Vorteile, die das Land aus dem Vertrag ableiten konnte.

Diese Erwartungen wurden enttäuscht, die Vereinbarungen nicht erfüllt. Das niederländische Unternehmen ließ sich entgegen der Verträge seine Forschungen patentieren. 2009 musste HPFI Konkurs anmelden. In den Jahren vor dem Bankrott übertrugen die Direktoren der HPFI ihre Anteile auf neue Unternehmen, sodass sie weiterhin Teff-Mehl und andere Produkte verkaufen konnten. Diese neuen Unternehmen waren frei von Verpflichtungen gegenüber Äthiopien. Nach dem Konkurs von HPFI gab es keine erneute rechtliche Entsprechung zum Teff-Agreement. Äthiopien verlor dadurch die Kontrolle über die genetischen Teff-Ressourcen.

Das Ausstellungsprojekt gibt einen Überblick über die Zusammenarbeit Äthiopiens und den Niederlanden im Zuge des Teff-Agreements, während im Weiteren in einer daraus resultierenden Bachelorarbeit die Frage behandelt wird ob die Entwicklungen des Teff-Agreements und deren Folgen als ein Akt der Biopiraterie bezeichnet werden können. Unter Biopiraterie versteht man die kommerzielle Weiterentwicklung biologischer Materialien, wie zum Beispiel genetischer Zelllinien, durch ein Land oder eine Organisation, ohne eine faire Entschädigung der Länder bzw. Völker, auf deren Territorium diese Materialien ursprünglich entdeckt wurden.

Im Zuge der Ausstellung „Schnittpunkt Afrika. Dimensionen von Mobilität“ soll dieses Projekt eine neue Perspektive auf den Transfer von Wissen und Waren zwischen Afrika und Europa eröffnen. Die Zusammenarbeit zwischen Äthiopien und den Niederlanden, zunächst ein Austausch von Wissen über Grenzen hinweg, führte letztlich zu einem Verlust von Eigentum Äthiopiens an die Niederlanden.

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