(Im)Mobilitäten im Leben des tansanischen Künstlers Atakalo Soko

Marion Haberl

„For us, getting to Europe is harder than getting into heaven“

Mein Ausstellungsbeitrag ergab sich aus einer persönlichen Beziehung mit dem tansanischen Künstler Atakalo M. Soko, den ich 2013 im Zuge eines Studienaufenthaltes an der Universität Dar es Salaam kennen gelernt habe. Anhand von Atakalos Biografie und seinem künstlerischem Schaffen möchte ich Dimensionen von (Im)Mobilität sowie damit verbundene Connections herausarbeiten und vor dem Hintergrund von Machtverhältnissen und Mobilitätsregimen aufbereiten.

Mobilität und Immobilität sollen hierbei nicht als dichotome Kategorien verstanden werden sondern vielmehr als Phänomene, die miteinander in Beziehung stehen und einander auch bedingen. Aufgrund der relativen Flexibilität dieser Konzepte sowie durch die Verortung von Phänomenen von (Im)mobilität in spezifischen historischen und gesellschaftlichen Kontexten wird eine komplexe Auseinandersetzung möglich, die vielfältige Fragen aufwirft: Wie wird Mobilität in bestimmten Kontexten ermöglicht bzw. verhindert oder begrenzt? Unter welchen Umständen ist Mobilität (nicht) gewünscht und angestrebt und wann ist sie erzwungen oder notwendig zum Überleben? Für welche mobilen Subjekte geht physische Mobilität mit Statusverlust einher, für welche nicht? Und welche Bedeutung hat Mobilität für jene, die nicht mobil sind?

Während Atakalo den größten Teil seines Lebens in dem Stadtteil und sogar in dem Haus verbrachte, in dem er geboren wurde, begrenzte sich seine Lebenswelt keineswegs auf diesen lokalen Kontext, sondern wurde durch vielfältige Formen von Mobilität durchzogen, die sich nicht nur durch lokale sondern auch nationale Grenzüberschreitungen artikulierten. Erzählungen der Eltern von Flucht und Krieg im Kontext von Kolonialismus schrieben sich ebenso in Atakalos Biografie ein wie die geliebten Kinderbücher aus China und die viel geschauten Filme aus Hollywood. Vor diesem Hintergrund lokaler, nationaler und grenzüberschreitender Einflüsse entwickelte Atakalo seine künstlerischen Fähigkeiten, die ihm wiederum sozioökonomische Mobilität ermöglichten.

Durch Freunde, die nach Wien migrierten und die dadurch entstandenen Connections wurde es dann auch möglich, dass zuerst Atakalos Kunst und dann schließlich auch der Künstler selber mobil wurden, internationale Grenzen überschritten und sich auf die Reise nach Österreich begaben. Während die Grenzüberschreitung von Atakalos Kunst sich als unkompliziert gestaltete, so bekam der Künstler selber jedoch deutlich die Wirkmächtigkeit von (globalen) Mobilitätsregimen zu spüren, insofern Atakalos eigene physische Mobilität für den dreimonatigen Aufenthalt in Österreich erst erkämpft werden musste.

Links: Bericht auf der Seite des Weltmuseum, Über Atakalo Soko

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