Mediennutzung in der Diaspora

Sonja Steinbauer

Diaspora

Diaspora ist ein vielschichtiger Begriff – und gleichzeitig einer, der in der Geschichte Afrikas eine lange Tradition hat. Im Allgemeinen wird zwischen alter und neuer Diaspora unterschieden. Während die alte ihre Wurzeln in der Versklavung von Menschen und ihrer Verschleppung über die Grenzen Afrikas hinaus hat, ist die neue das Ergebnis von Migrationsprozessen der letzten Jahrzehnte.

Die Diaspora-Forschung erlebt seit dem späten zwanzigsten Jahrhundert einen Aufschwung. Dies zeichnet sich unter anderem durch zahlreiche Studien ab, bei denen Personen bzw. Gruppen zu ihren persönlichen Erfahrungen mit Themen wie zum Beispiel Integration, Rassismus und Sprachbarrieren befragt werden. Darüber hinaus existiert eine Reihe an autobiografischer Literatur zu dieser Thematik.

Mobilität ist ein vielschichtiger Begriff, der sich nicht ausschließlich auf Bewegungen in der realen Welt, wie Migration, bezieht. So stellen auch Datenflüsse im virtuellen Bereich eine Dimension von Mobilität dar. Einerseits können sie als Übertragung von Informationen gesehen werden, andererseits spiegelt sich in ihnen die Zirkulation von Ideen wieder. Dabei kommt es sowohl zur Herausbildung neuer Beziehungen durch virtuellen Kontakt, als auch zur Sedimentierung von Wissen über einzelne Personen und ihr Verhalten im Internet.

Mediennutzung

Ein Aspekt, der das Leben von vielen Menschen in der Diaspora veränderte, sind moderne Medien wie Twitter, Facebook und diverse Blogs und Foren. Durch diese Neuerungen ist es einerseits möglich, Verbindungen zum Heimatland zu bewahren, andererseits können fernab von räumlichen Dimensionen neue Identitäten erzeugt werden. Dies stellt zwar die Forschung vor neue Herausforderungen, eröffnet ihr jedoch zusätzliche Möglichkeiten. Dabei stellt die im Internet vorherrschende Anonymität der User und oftmals auch der Forschenden sowohl einen Vor- als auch einen Nachteil dar. So ist es auf der einen Seite möglich, die Beforschten ohne deren Wissen zu beobachten und zu analysieren, auf der anderen Seite sind ihre Angaben auf Basis virtuellen Kontakts nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.

Ziel dieses Ausstellungsprojektes ist es, das Nutzungsverhalten neuer Medien von in der Diaspora lebenden Menschen genauer zu betrachten. Erwähnenswert ist hierbei, dass diese Online-Communities weder im Herkunftsland, noch in den diversen Diasporas der Realität entsprechen. So sind virtuelle Beziehungen zwischen zwei Menschen nicht zwangsläufig auch als persönlicher Kontakt zu verstehen.

Ich befasse mich vor allem mit in der Diaspora lebenden Menschen mit swahilisprachigem Hintergrund und deren Kommunikation auf Facebook beziehungsweise auf Grundlage von weiteren Forschungsprojekten, die zu dieser Thematik bereits durchgeführt wurden. Auffallend hierbei ist, dass das Thema Diaspora selbst als Diskussionsthema fast keine Rolle spielt. Dies ist vielleicht auch irrelevant, da es im Netz schwer festzustellen ist, in welchem Land sich ein User befindet. Sehr viel häufiger genannte Thematiken sind Lebensstil, Wirtschaft und vor allem Politik. Die daraus entstehenden Online-Communities bilden sich eher anhand der Themenwahl, als der Lokalisation einzelner Nutzer heraus.

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